Corpus delicti von juli zeh interview

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Man muss selbst herausfinden, was einem gut tut. Absolutes Elend mit Hochkultur, plus Liebe zum Geistigen und dem Willen sich zu erheben, indem man kommuniziert und etwas schafft. Ist die Band dafür auf Sie zugekommen, oder haben Sie bewusst nach Musikern für dieses Projekt gesucht?
Weder noch. Wenn man denen erklärt, dass glücklich sein erwiesenermaßen am wenigsten damit zu tun hat, ob man sich den Fuß gebrochen hat oder nicht, verstehen sie das nicht.

Im stern.de-Interview erklärt sie, warum sie sich über die Fitness-Diktatur aufregt, wie wenig Gesundheit mit Glück zu tun hat - und weshalb sie raucht und trinkt.

Frau Zeh, rauchen Sie?

Trinken Sie Alkohol? Die würden wahrscheinlich sofort sterben, wenn die einen Apfel essen. Was wahrscheinlich daran liegt, dass man den Stress besser verarbeitet, wenn man immer von Leuten umgeben ist und das nicht alleine auf den eigenen Schultern tragen muss.

Ihr neuestes Buch „Angriff auf die Freiheit“, welches sie gemeinsam mit dem Autor Ilija Trojanow veröffentlicht haben, klagt nicht den Gesundheitswahn, sondern den Überwachungsstaat und den Abbau bürgerlicher Rechte an.

In „Corpus Delicti“ dagegen nehme ich es Mia nicht ab, dass sie sich in Kramer verliebt. Nicht nur, weil sie englisch singen, sondern weil sie einfach eine universelle Musik machen, die sich quasi an die ganze Welt richtet und nicht an ein kleines, regionales Publikum. Er saß wegen Vergewaltigung und Mord im Gefängnis und sein Fall hatte großes Aufsehen erregt, denn er hatte trotz der eindeutigen Beweislage gegen ihn seine Tat hartnäckig geleugnet.

corpus delicti von juli zeh interview

Glauben Sie, dass die Kunst ohne Suchtmittel wie Zigaretten, Alkohol und Drogen in ihrer Ausdruckskraft leiden würde?
Eigentlich nicht. Auf ihrem Hometrainer haben sich ein paar Kilometer Rückstand angestaut und auch andere Details deuten darauf hin, dass Mia Holl sich nicht ganz im Griff hat. Wir haben sehr viele Fakten zusammengetragen, um überhaupt erstmal geballt zusammenfügen zu können, was eigentlich passiert.

Warum ist euch das nicht aufgefallen? Und zu glücklich gehört dabei auch gesund. Das Schlachtfeld, auf dem er stattfindet, ist ausgerechnet das Thema Gesundheit.

Es wäre ein Ansatz, sich Leute anzuschauen, die vormachen, wie sie ihr Leben führen.

... Außerdem gibt es auch noch politische Bewegungen.

Ob sich das alles aber wirklich mit der Pandemie vergleichen lässt und „Corpus Delicti“ überhaupt mit aktuellen Ereignissen in Verbindung gebracht werden kann, werden die Abiturientinnen und Abiturienten entscheiden müssen, die das Buch überall in Deutschland jetzt auf dem Lehrplan haben. Ist das nun eine Abrechnung mit Joggern, Gewichthebern und Ökos, oder eine Anklage gegen die Regulierung durch den Staat?
Weder Abrechnung noch Anklage, solch aggressive Begriffe braucht man gar nicht.

Darum ging es auch. Und die zweite Intention war, dass wir die Informationsgrundlage verbessern wollten. Ich finde es aber interessanter, was der Roman selbst sagt, weil er aus einer Zeit stammt, in der sein Thema eben noch nicht mit einem konkreten Anlass und einer realen Krise verbunden war, sondern noch als Idee und Befürchtung ganz für sich stand.